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W3C im Telefónica BASECAMP: Vom grauen Web zur künstlichen Intelligenz

15

Feb
2017

Veröffentlicht am 15.02.2017
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Foto: pixabay/geralt
Das World Wide Web (WWW) entwickelt sich immer weiter und wird am nächsten Dienstag das große Thema im Telefónica BASECAMP sein. Was vor 25 Jahren als kleine Sammlung von statischen Webseiten in Grau und Schwarz und Blau begann, besteht heute aus mehr als 130 Milliarden Seiten und lässt sich auch zum Einkaufen, Bezahlen, Videos ansehen, Telefonieren und noch viel mehr benutzen. Dafür werden nicht nur Computer oder Smartphones eingesetzt, sondern auch Fernseher, Navigationsgeräte, intelligente Lautsprecher, Settop-Boxen oder alle möglichen vorstellbaren Geräte

Selbst Bücher werden heute mit Web-Technologien publiziert und immer mehr Autos ermöglichen den Fernzugriff auf Funktionen und Sensoren durch Software-Schnittstellen, die ihre Daten in Web-Formaten übertragen. Nach einem unglaublichen Siegeszug, der weniger als ein halbes Menschenalter dauerte, ist das WWW heute die universelle Plattform zur Informationsübertragung – und jeder kann sie um neue Websites oder Funktionen erweitern. Deswegen ist das World Wide Web auch immer wieder in Gefahr, durch seinen Wildwuchs in verschiedene technische Standards und Insel-Lösungen zu zerfallen, die nicht mehr für jeden Nutzer zugänglich sind.

WWW: Weltweites Netz mit wildem Wachstum

Bisher ging es dabei meistens um Internet-Services, die sich nur mit besonderer Zusatz-Software im WWW-Browser nutzen lassen, oder um Websites, die in bestimmten Ländern gesperrt sind. Doch heute kommt es zum Mauerbau im Internet vor allem durch Sozialnetzwerke, die nur mit Passwort nutzbar sind und ihre Inhalte nicht von Web-Suchmaschinen indexieren lassen, sowie durch mobile Apps: Auch sie speichern ihre Daten meistens im Web-Format. Aber um sie zu lesen, muss man die richtige Software auf seinem Smartphone installieren – und am PC lassen sich die Inhalte von Instagram oder Snapchat überhaupt nicht einsehen.

Foto: pixabay/geralt

Foto: pixabay/geralt

Besonders diese modernen Anwendungen, die gerade bei jungen Menschen beliebt sind, könnten das World Wide Web für viele Nutzer sogar überflüssig machen. Mit vielleicht verheerenden Folgen“Seine ganzen Nachrichten über Facebook zu beziehen, ist wie sich ausschließlich von Kartoffelchips zu ernähren”, warnt beispielsweise der Flipboard-CEO Mike McCue.

Damit aber dem WWW kein Kollaps droht und die offene Internet-Plattform weiter attraktiv bleibt, gibt es das W3C: das World Wide Web Consortium, das am kommenden Dienstag zu einer interessanten Veranstaltung ins Telefónica BASECAMP einlädt. “Künstliche Intelligenz und das World Wide Web: Technologien für Milliarden von Nutzern und Billionen vernetzter Geräte”, steht über der Einladung für den Abend, an dem Experten des W3C und von führenden Internet-Firmen über die nächsten Stufen der Entwicklung diskutieren werden.

W3C: Hüter der offenen Standards

Der WWW-Erfinder Sir Tim Berners-Lee hatte das Konsortium schon 1995 ins Leben gerufen, als das Web kaum fünf Jahre alt war, um die technologischen Grundbausteine zu standardisieren. Die korrekte Verwendung von HTML, URL, HTTP und weiterer neuer Techniken musste damals schnell festgeschrieben werden, damit nicht jede Firma eigene Versionen veröffentlicht. Denn sonst hätten viele Verknüpfungen zwischen Webseiten bald nicht mehr funktioniert und das WWW wäre nutzlos geworden.

Foto: pixabay/geralt

Foto: pixabay/geralt

Das W3C entwickelt deshalb bis heute technische Spezifikationen und Richtlinien in einem transparenten Prozess, der die größtmögliche Zustimmung zu den offenen Standards des WWW garantieren soll. Weil das Konsortium keine staatlich anerkannte Organisation ist, kann es auch keine offiziellen ISO-Normen festlegen und muss immer wieder den maximalen Konsens bei der Erarbeitung seiner technischen Protokolle finden. Allerdings kooperiert das W3C auch mit internationalen Standardisierungsgremien und seine Empfehlungen dienen deshalb als Basis mancher ISO-Normen, wie zum Beispiel bei XML.

Telefónica BASECAMP: WWW mit künstlicher Intelligenz

Die Organisation ist eine internationale Gemeinschaft von vielen Tausend Experten und hat ihre Zentrale am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in den USA. Mehr als 400 Unternehmen, Forschungszentren und Nichtregierungsorganisationen engagieren sich und werden vom W3C-Team bei der Standardisierung unterstützt. Auch in Berlin gibt es ein Büro beim Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). Hinzu kommen die vielen freiwilligen Helfer, die sich an Diskussionen auf Mailinglisten beteiligen, Empfehlungen übersetzen, Implementierungen von Spezifikationen schreiben oder in Arbeitsgruppen mitwirken.

Auf diese Weise breitet sich das World Wide Web in immer mehr Bereiche aus. Erst in dieser Woche wurde die Gründung der W3C Publishing Business Group verkündet, in der Verlagen an der Entwicklung von Standards für digitale Bücher mitarbeiten können. Und neben dieser neuen Arbeitsgruppe für E-Books gibt es auch zahlreiche Community-Gruppen sowie weitere interessante Business Groups beim W3C: die Automotive and Web Platform, Web and Broadcasting und Web-based Digital Signage.

Im Telefónica BASECAMP wird es schließlich um den Einfluss der neuesten Techniken für künstliche Intelligenz auf die weitere Entwicklung des WWW gehen. Sie werden in den kommenden Jahren einen großen Einfluss darauf haben, wie wir arbeiten, uns informieren, Nachrichten produzieren und verbreiten oder online kommunizieren. Das wird die nächste große Herausforderung für das W3C und die Web-Standards aus dem vorigen Jahrhundert.

Mehr Informationen:

Veranstaltung im BASECAMP: Künstliche Intelligenz und das World Wide Web (21.02.2017)
W3C Deutschland/Österreich: Über das W3C
25 Jahre Web: WWWie drei Buchstaben die Welt veränderten (SPIEGEL online)
W3C gründet Publishing Business Group (heise.de)

Über den Autor

Unser Pressesprecher für Innovationen, B2B, Startups und Social Media absolvierte die Deutsche Journalistenschule und arbeitete viele Jahre für FTD, DIE ZEIT, Wirtschaftswoche und andere Medien. Daneben schrieb Markus Oliver Göbel für bekannte Blogs wie TechCrunch oder The European.