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Kommunikation von morgen: Neue Sozialnetzwerke und Elektro-Telepathie

11

Jun
2018

Veröffentlicht am 11.06.2018
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Persönliche Kommunikation im Internet ist mehr als nur E-Mail, Facebook und Whatsapp. Ständig werden neue Techniken erfunden, damit Menschen sich noch besser austauschen können. Und zwar nicht nur am PC oder Smartphone, sondern auch zwischen Autos oder sogar direkt von Gehirn zu Gehirn. Wir stellen heute wieder spannende Beispiele vor: Rohpost, Divvito, CarWink und HIBA.

Kommunikation findet heute zu einem Großteil digital statt. Soziale Netzwerke, Messenger und andere Plattformen erlauben es Menschen, in Kontakt zu treten und sich auszutauschen. Inzwischen gibt es unzählige Produkte für die digitale Kommunikation. Ist der Markt also inzwischen gesättigt?

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Foto: picjumbo / Viktor Hanacek / Ausschnitt bearbeitet

Als Co-Founder einer neuen Social Media App habe ich mir den Markt genau angeschaut und kann sagen: Da besteht noch viel Potential. Viele der aktuellen sozialen Medien sind ein Angebot an eine spezielle Nutzergruppe. Soziale Netzwerke wie Twitter oder Facebook richten sich vor allem an Menschen, die sich wohl damit fühlen, ihre Botschaften mit der breiten Öffentlichkeit zu teilen. Im Gegensatz dazu sind Messenger wie etwa Snapchat vor allem auf Nutzer zugeschnitten, die Unterhaltung suchen und ihren Spieltrieb ausleben möchten. Aber soziale Medien können mehr.

Rohpost: Stressfreies soziales Netzwerk

Unsere App Rohpost ist ein Beispiel dafür. Sie ist als stressfreie und privatere Alternative zu sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram gedacht. Die App erlaubt es, Freunde und Familie am eigenen Leben teilhaben zu lassen, ohne auf die eigene Privatsphäre verzichten zu müssen. Denn viele Nutzer möchten über ihr Privatleben nicht in aller Öffentlichkeit in einem sozialen Netzwerk posten.

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Quelle: Screenshot Rohpost Website

Bei Rohpost können sie über ihre Erlebnisse in einer kurzen Nachricht schreiben, die sie direkt an die Arbeitskollegin, den Freund aus der Grundschule und die Großmutter schicken. Der Unterschied ist: Wenn die verschiedenen Empfänger auf die Nachricht reagieren, ist es nur für den Absender sichtbar. Das spart letztlich auch Zeit. Denn anders als bei einem Messenger wie WhatsApp, können Nutzer so mit einer einzigen Nachricht alle Menschen auf dem Laufenden halten, die ihnen wichtig sind. Somit hilft Rohpost, mit Menschen verbunden zu bleiben, bei denen man sich sonst nur selten melden würde.

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Quelle: Screenshot Rohpost Website

Doch brauchen Nutzer wirklich noch eine weitere App? Schon jetzt haben viele Menschen das Gefühl, zu viel Zeit mit sozialen Medien zu verbringen. Wir greifen diese Bedenken auf und unterstützen bei einem besseren Medienkonsum. Nutzer können in der App maximal eine Rohpost am Tag an beliebig viele Kontakte schicken. Auf diese Weise verhindert die App, dass eine ähnliche Flut an Informationen wie auf sozialen Netzwerken entsteht. Aber auch darüber hinaus wurde die App mit dem Ziel gestaltet, Nutzer zufriedener und weniger gestresst zu machen, wie in diesem Artikel genauer beschrieben ist.

Divvito: Kommunikation in schwierigen Situationen

Die nächste Generation der sozialen Medien baut also darauf auf, dass sie die individuellen Bedürfnisse neuer Nutzergruppen stärker aufgreift. Die Größere Auswahl an Alternativen erlaubt es Menschen, die Plattform für sich auszusuchen, die genau zu den persönlichen Anforderungen und dem eigenen Kommunikationsverhalten passt.

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Ein weiteres Beispiel hierfür ist die App Divvito. Sie wurde speziell für zwei Menschen entworfen, die sich in einer Trennung befinden und in dieser schwierigen Phase trotzdem noch miteinander sprechen müssen – zum Beispiel wenn es gemeinsame Kinder gibt . Dabei funktioniert Divvitio wie eine neutrale Plattform, über die beide Seiten miteinander kommunizieren können.

Die App kann unter anderem verletzende Wörter in einer Nachricht erkennen und sie durch mildere Ausdrücke ersetzen. Außerdem gibt sie dem Absender Zeit, die eigene Nachricht noch einmal gegenzulesen und verhindert damit, dass eine Person sich von spontanen Emotionen leiten lässt. Das Ziel ist, zu einer deeskalierenden und sachlichen Kommunikation beizutragen.

Die App bietet also nicht nur eine Plattform für den gegenseitigen Austausch. Sie hilft auch, eine gute Form der Kommunikation zu finden und auf diese Weise schwierige Situationen zu lösen. Eine spannende Idee, die in Zukunft sicher noch auf weitere Anwendungsfälle übertragen werden kann. Gegründet wurde Divvitio übrigens von einer Frau, die selbst eine Trennung durchlaufen musste und die Problematik deshalb genau kennt.

CarWink: Missverständnisse auf der Straße vermeiden

Kraftausdrücke können aber nicht nur bei einer Trennung fallen. Auch im Straßenverkehr schaukeln sich die Aggressionen schnell auf. Hier setzt CarWink an, das durch eine Kickstarter-Kampagne realisiert wurde. Das Gerät hat das Ziel, Menschen die Kommunikation im Straßenverkehr zu erleichtern und damit für eine gegenseitige Verständigung zu sorgen.

Ermöglicht wird das durch kleine LED-Kreise, die sich in die Heckscheibe des eigenen Autos kleben lassen. Per Sprachsteuerung kann der Fahrer verschiedene Smileys und Botschaften auf den Mini-Bildschirm rufen – zum Beispiel wenn er oder sie jemandem die Vorfahrt genommen hat oder gerade versucht, rückwärts in eine Parklücke einzuparken.

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Spannend ist die Idee auch mit Blick auf die Entwicklungen rund um selbstfahrende Autos. Hier gewinnt dieCar-to-Human Kommunikation gerade an Bedeutung. Dieser Medium-Artikel geht auf das Thema genauer ein. In Zukunft wird also auch eine Frage sein, wie intelligente Maschinen und Systeme sinnvoll mit dem Menschen kommunizieren können.

HIBA: Elektronische Telepathie zwischen Gehirnen

Der Hybrid Intelligence Biometric Avatar, kurz HIBA, entwirft für die Zukunft aber noch ein ganz anderes Bild. Die Grundidee: Bis 2050 soll es möglich sein, dass sich Menschen auch ganz ohne Worte verständigen, mit sogenannter Brain-to-Brain Kommunikation. Zentrales Instrument ist dabei, die Hirnaktivitäten von Personen aufzeichnen und zu interpretieren.

Bisher ist HIBA jedoch noch eine technische Vision, von der wir weit entfernt sind. Bis es soweit ist, bleibt Kommunikation in den verschiedensten Situationen eine Herausforderung – egal ob es darum geht, mit alten Freunden im Kontakt zu bleiben oder problematische Situationen zu lösen. Eine neue Generation von sozialen Medien möchte darauf Antworten geben und zeigen, dass sich der Markt für digitale Kommunikation noch weiter entwickeln wird.

Mehr Informationen:

Brain-to-Vehicle: Nissan zapft Hirnströme von Autofahrern an
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Über den Autor

Frederik Görtelmeyer arbeitet als Berater für User Experience und digitale Produktinnovation sowie als Design Thinking Coach. Zu seinen Auftraggebern zählen das SAP Innovation Center und die Telekom Innovation Laboratories. Er ist außerdem Co-Founder der stressfreien Social Media App Rohpost und Gründer des Online-Magazins Farbentaucher, in dem es um Design- und Architekturpsychologie geht. Darüber hinaus veranstaltet er regelmäßig Events wie das Berlin UXD Meetup oder das Design Thinking ToolFest.