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Karl-Heinz Land, Redner beim Digital Transformation Award 2014, Foto: Dominik Butzmann
Artikel

Interview mit Karl-Heinz Land: Digitalisierung als Rettungsanker für Erde

01

Nov
2018

Veröffentlicht am 01.11.2018
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Foto: Karl-Heinz Land, Redner beim Digital Transformation Award 2014/ Dominik Butzmann

Digitale Transformation ist das Herzensthema des Serienunternehmers & Coaches Karl-Heinz Land. Seit über 35 Jahren gestaltet er die Zukunft der Digitalisierung mit. Sein neues Buch „Erde 5.0 – die Zukunft provozieren“ fokussiert jene Chancen, die innovative Technologien für ein nachhaltiges Leben und den Schutz unseres Ökosystems bieten. Ein Themenfeld, welches auch im Zentrum unseres Data Night – Events am 12. November 2018 steht. Im Telefónica BASECAMP diskutiert der Erfolgsautor mit spannenden Gästen über die Macht von Daten und Algorithmen.

Herr Land, auf welcher Erde leben Sie?

Auf einer Erde die verletzlich, angegriffen und deren Lebensdauer bedauerlicherweise absehbar ist. Allerdings wage ich die zukunftsprovozierende These, dass wir mit Hilfe fortschreitender Entwicklungen die Welt zu einem lebenswerteren Ort umgestalten können.
Wo ich zukünftig leben möchte? Auf der Erde 5.0!

Mutmachende Vision. Aber wie können wir neue Technologien einsetzen, um die Welt zu retten und einen Grundstein für die Erde 5.0 zu legen?

Es geht hier weniger um den Siegeszug einzelner Technologien. Der Wow-Effekt der Digitalisierung ergibt sich aus dem Zusammenspiel verschiedenster Systeme. Künstliche Intelligenzen, Roboter oder das Internet der Dinge finden erst in der sinnvollen Kombination zu ihrer vollen Kraft und erschaffen so eine vollvernetzte Echtzeitwelt, auf der wir vor allem langfristig leben können. Wenn wir dieses Potenzial richtig ausschöpfen, wird es uns möglich sein, nachhaltige Lebensräume zu erschaffen, flächendeckend Energie bereitzustellen, die Wasserversorgung zu sichern, Ungleichheit und Ungerechtigkeit zu verhindern, den Klimawandel aufzuhalten, sowie Armut und Hunger den Kampf anzusagen!

Karl-Heinz Land, Foto: Nathan Ishar / Pramudiya

Das sind hochgesteckte Ziele. Doch es gibt flächenübergreifenden Handlungsbedarf.  Rund 800 Millionen Menschen sind weltweit Opfer von Unterversorgung. Wie glauben Sie, können wir diese Zahl zeitnah senken?

Es ist eine Beleidigung der Intelligenz des Menschen, dass auch nur ein Lebewesen auf diesem Planeten verdurstet oder verhungert! Eines der größten Probleme ist vermutlich, dass ein Ende des Bevölkerungswachstums vorerst nicht abzusehen ist. Allerdings lässt sich die Nahrungsgrundlage von 11 Milliarden Weltbewohnern nicht nur garantieren, sondern sogar qualitativ verbessern. Sie fragen sich, wie genau das funktionieren soll? Nun, dafür müssen zu allererst Trends erkannt werden. Eine der entscheidendsten Entwicklungen in diesem Zusammenhang ist die Dematerialisierung. Immer mehr Güter verwandeln sich in Apps und Software. Diese neue Infrastruktur macht Lösungen möglich, von denen wir vorher nie zu träumen wagten. Menschen erhalten nicht nur Zugang zu Informationen, Bildung, Kapital und Produktionsmitteln. Per 3D-Drucker können Designer in Entwicklungsländern problemlos Kleider nach Manhattan oder Berlin verkaufen. Gleiches gilt für die Produktion von Ersatzteilen und Gütern des täglichen Bedarfs. Ohne logistischen Aufwand kann so die Lebensgrundlage in vielen Bereichen gesichert werden. Künstliche Intelligenzen und Feldroboter werden die Landwirtschaft in Entwicklungsländern revolutionieren. In wenigen Jahren wird es nicht nur einfach, sondern auch günstig sein, Netz in die entlegensten Gegenden zu bringen. Sie merken: Die Verknüpfung innovativer Technologien ist Grundlage für die Welt von Morgen.

Weltkarte Vektor shutterstock

Foto: shutterstock / Vjom

Trotz dieser aussichtsreichen Möglichkeiten – Wie erklären Sie die Ängste derjenigen, die dem technologischen Fortschritt kritisch oder besorgt gegenüberstehen?

Viele Menschen fürchten sich heutzutage vor dem Ungewissen. Die sich rasant verändernde Gegenwart führt zu teils apokalyptischen Vorstellungen. Dies ist vor allem aus dem Grund erstaunlich, da es die technischen Errungenschaften des 20. Jahrhunderts waren, die uns Gesundheit, Lebensqualität und Sicherheit brachten. Sie spüren, dass gewaltige Umwälzungen auf sie zukommen und fühlen sich von dem rasanten Tempo und der Komplexität der Veränderungen schlichtweg überfordert. Daraus resultiert eine Ablehnungshaltung gegenüber neuer Technik. Genau an diesem Punkt sehe ich eines der größten Probleme. Die Zukunft beruht auf Information und Einsicht. Wir müssen sie nicht nur selbst gestalten, sondern sie förmlich provozieren. Natürlich bin auch ich mir bewusst, dass es jene „Monster“ gibt, welche die Errungenschaften der Digitalisierung missbrauchen können. Umso wichtiger ist es, den Rahmen zu definieren und zu entscheiden, in welche Richtung wir Entwicklungen treiben und wie wir sie konkret für uns nutzen.

pixabay

Foto: CC0 1.0, Pixabay / Geralt / Ausschnitt bearbeitet

Müssen wir uns also keine Sorgen um den Fortbestand unserer Erde mehr machen?

Und ob! Bevor es soweit ist, sehe ich dringenden Handlungsbedarf, besonders auf politischer Ebene. Angesichts der Tragweite und der Geschwindigkeit immer neuer Innovationen, dürfen wir die Technologie nicht allein der Technologie überlassen. Seit Beginn der industriellen Revolution ist sie ein Geschenk, ein effektives Werkzeug, welches wir schätzen und nutzen müssen. Wir brauchen eine aktive Diskussion, die transparent geführt wird, Unsicherheiten integriert, sowie Chancen und Risiken aufzeigt.

Sie widmen das Buch Ihren drei Kindern, denen Sie eine bessere Welt wünschen. Inwiefern ist die nächste Generation ein Schlüsselfaktor für die Sicherung der Erde 5.0?

Stichwort: Digitale Bildung. Das derzeitige Schulsystem erfordert ein ganzheitliches Umdenken. Die reine Wissensvermittlung wird in den kommenden Jahren nicht mehr ausreichen. Vielmehr geht es darum, soziale und methodische Kompetenzen zu erlernen. Junge Menschen sind dazu angehalten, sich in einem agilen Umfeld eigenständig zu bilden und so zum Baumeister ihrer Selbst zu werden. Autonomes Lernen rückt immer weiter in den Fokus, die Talente jedes Einzelnen stehen im Mittelpunkt. Die digitale Transformation ist kein Schicksal, sondern eine nie dagewesene Möglichkeit. Sie birgt das Potenzial die Welt zu verändern – ressourcenschonend, verantwortungsvoll und nachhaltig. Um diese einzigartige Kraft zu entfesseln, brauchen wir den Mut jedes Einzelnen. Den Mut zum Träumen!

Melden Sie sich hier  kostenlos für die „Data night: Die Macht der Algorithmen“ an und diskutieren Sie am 12.11.2018 persönlich mit Karl-Heinz Land im Telefónica BASECAMP.

Veranstaltungsdetails:

Datum: 12.11.2018
Zeit: 17:30 - 21:30
Wir weisen darauf hin, dass bei unseren öffentlichen Veranstaltungen auch Bild- und Tonmaterial in Form von Fotos oder Videoaufzeichnungen durch von uns beauftragte oder akkreditierte Personen und Dienstleister erstellt wird. Die Aufnahmen werden für die Event-Dokumentation und Event-Kommunikation auf den Social-Media-Kanälen des Telefónica BASECAMP genutzt. Sie haben das Recht auf Information und weitere Betroffenenrechte. Informationen zu unseren Datenverarbeitungen sowie Ihren Betroffenenrechten finden Sie hier.
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Über den Autor

Fiene unterstützt das Telefónica BASECAMP Team in den Bereichen Redaktion und Event. Nach ihrem Abschluss im Studiengang „Journalismus & Unternehmenskommunikation“ absolviert sie derzeit ihren Master der „Digitalen Medien und Kommunikationskulturen“ an der Technischen Universität Chemnitz.