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Datenschatz und Datenschutz: Wie nutzt man den neuen Rohstoff?

09

Mrz
2017

Veröffentlicht am 09.03.2017
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Die deutschen Politiker und Unternehmen sprechen immer öfter von Datenschätzen. Sie sollen gehoben werden, um Wirtschaft und Gesellschaft in der Bundesrepublik voranzubringen. Doch wo liegen diese Schätze und wie kommt man heran? “Wir öffnen einen einzigartigen Datenschatz“, sagte beispielsweise Alexander Dobrindt (CSU) im Januar bei der Vorstellung des Entwurfes für das neue Gesetz über den Deutschen Wetterdienst.

Die Neuformulierung des Gesetzes soll dafür sorgen, dass die Wetterinformationen der Bundesbehörde künftig kostenfrei bereitstehen, weil neue Technologien wie das automatisierte und vernetzte Fahren hochpräzise Wetterdaten und Vorhersagen für die weitere Entwicklung benötigten. “Daten sind der Treibstoff für intelligente Mobilität und schaffen dort Mehrwert, wo sie bereitstehen”, hatte der Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur auch schon einige Monate zuvor beim Weltverkehrsforum in Leipzig gesagt.

mCLOUD: Verkehrsministerium öffnet Datenschatz

Wir öffnen den Datenschatz unseres Hauses und stellen ihn allen zur Verfügung”, verkündete er dort bei der Vorstellung der mCLOUD, die Daten über Straßenauslastung und Verkehrsdichte von den 1.700 Zählstellen der Bundesanstalt für Straßenwesen bereitstellt sowie Echtzeitdaten über die Pegelstände der Bundeswasserstraßen. Das sind sehr wertvolle Informationen für Transportunternehmen, Städteplaner oder Mobilitätsanbieter.

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Und auch in anderen Bereichen lässt sich viel aus der Analyse von Daten ablesen. “Die Menschen erwarten zu Recht eine bestmögliche medizinische Versorgung”, schrieb erst kürzlich ein Kollege von Alexander Dobrindt. “Deswegen müssen wir Datenschätze heben”, mahnte der Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) in seinem Gastartikel für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Nur so könnten Krankheiten oder Risiken früher und besser erkannt und behandelt werden. Für die Forschung seien die Datenschätze sogar “von unschätzbarem Wert”, weil sie vollkommen neue Diagnosemöglichkeiten und Therapien erschließen.

Deutsche Bahn: Koordinierte Schatzsuche

Ran an den Datenschatz, hieß auch vor zwei Wochen ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung, der einen guten Weg zeigte, wie man ihn heben kann: Die Deutsche Bahn baut gerade eine neue Abteilung auf, welche unzählige Informationen aufbereitet, die über Ticketverkäufe, Technik, Wartung, Einkauf und Vertrieb anfallen. Die mehreren hundert Tochtergesellschaften liefern täglich große Mengen an nützlichen Daten, doch bisher hatte sich niemand um eine strukturierte Auswertung gekümmert.

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Deshalb soll Zero.One.Data jetzt Daten von Unternehmen wie DB Regio, DB Fernverkehr oder DB Cargo zentral analysieren. Denn Synergien kann das konzerninterne Startup der Deutschen Bahn erst dann erkennen, wenn es solche Informationen gemeinsam betrachtet. Vielen Abteilungen sei noch gar nicht bewusst, auf welchen ungehobenen Schätzen sie da eigentlich sitzen und welche Erkenntnisse sie daraus gewinnen könnten. Doch “die abteilungsübergreifende Verfügbarkeit von und Transparenz über Daten im Konzern ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Digitalisierung”, sagt Matthias Patz, Leiter Innovation und New Ventures bei der Bahntochter DB Systel, die mit 3.500 Mitarbeitern für die Informations- und Kommunikationstechnologie verantwortlich ist.

Telefónica: Vollkommen neue Erkenntnisse möglich

Durch so eine gemeinsame Untersuchung verschiedener Verkehrsströme werden vollkommen neue Erkenntnisse möglich. Das zeigten auch Analysen von anonymisierten Daten aus dem Telefónica-Mobilfunknetz in den vergangenen Monaten. In Hamburg erwies es sich beispielsweise, dass bis zu 97 Prozent weniger Autos fahren müssten, wenn die Stadt auf eine geschickte Kombination von Bussen und Individualverkehr umsteigen würde: einen Shuttle-Service.

Währenddessen konnte der Stadtrat in Nürnberg bei einem Pilotprojekt viel schneller und genauer sehen, wo Belastungen mit CO2, Feinstaub oder Stickstoffoxiden entstehen. Und in Stuttgart konnte das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO durch die anonymisierten Mobilfunkdaten sogar erstmals komplette Wege über verschiedene Verkehrsmittel hinweg nachvollziehen, was mit bisherigen Methoden nicht möglich war.

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Die Erfassung des verkehrsmittelübergreifenden Mobilitätsverhaltens in Städten ist ein komplexes Unterfangen”, erklärt Prof. Anette Weisbecker, stellvertretende Institutsleiterin des Fraunhofer IAO. “Unsere Studie zeigt, dass Mobile Network Data einen positiven Beitrag zur Verkehrsplanung leisten können. Die Daten sind zeitlich und räumlich hochaufgelöst vorhanden und ermöglichen neue Einblicke in die Einflussfaktoren des urbanen Verkehrs.” 

So wäre es außerdem möglich, kontinuierliche Echtzeit-Informationen zu gewinnen. Der Stuttgarter Verkehrs- und Tarifverbund könnte damit seine manuellen Verkehrserhebungen ergänzen, die er nur in größeren Abständen ausführt, und vor allem schneller auf spontane Entwicklungen reagieren. Dafür sind anonymisierte Mobilfunkdaten ideal geeignet und das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung bleibt dabei geschützt. Dennoch gibt Telefónica Deutschland seinen Kunden zusätzlich auch die Möglichkeit, dass sie selbst entscheiden, ob sie an solchen anonymen Erhebungen teilnehmen möchten.

BfDI: Datenschatz und Datenschutz müssen kein Gegensatz sein

Datenschatz und Datenschutz müssen kein Gegensatz sein”, kommentierte die Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) im Januar die aktuellen technischen Entwicklungen. “Angesichts der technologischen Herausforderungen der Digitalisierung wird vielen Menschen der Schutz ihrer Daten immer wichtiger”, sagte Andrea Voßhoff auf dem Europäischen Datenschutztag in Berlin.

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Telefónica Deutschland treibt deshalb die Diskussion über das Thema voran. Bei der jüngsten Ausgabe der Tagesspiegel Data Debates im Telefónica BASECAMP sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière beispielsweise, dass Daten unser Leben verbessern und wissenschaftliche Erkenntnisse gewinnen könnten, wenn sie bewusst und überlegt genutzt würden.
Doch bei einer missbräuchlichen Verwendung könne auch Schaden entstehen.

Deshalb wäre schon viel gewonnen, wenn man die wichtigsten Regeln der Straßenverkehrsordnung auf den Umgang mit Daten übertragen würde: “Die Teilnahme am Datenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht. Wer am Datenverkehr teilnimmt, hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.”

Das ist eine sehr interessante Sichtweise von dem Innenminister der Autofahrernation. Und wir sind schon sehr gespannt, was uns die zweite Ausgabe der Tagesspiegel Data Debates am 30. März im Telefónica BASECAMP lernen lässt. Der Datenschatz liegt offensichtlich fast überall, man muss ihn nur behutsam heben und schützen.

Über den Autor

Unser Pressesprecher für Innovationen, B2B, Startups und Social Media absolvierte die Deutsche Journalistenschule und arbeitete viele Jahre für FTD, DIE ZEIT, Wirtschaftswoche und andere Medien. Daneben schrieb Markus Oliver Göbel für bekannte Blogs wie TechCrunch oder The European.
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