Image
1. Data Debate - Freiheit und Privatsphäre - Dr.Thomas de Maizière und Stephan-Andreas Casdorf
Artikel

#DataDebates: Überraschende Ergebnisse der Twitter-Abstimmung

01

Mrz
2017

Veröffentlicht am 01.03.2017
Loading Events

Foto: Henrik Andree
Die erste Ausgabe der Tagesspiegel Data Debates im Telefónica BASECAMP hat einige Diskussionen ausgelöst. Mehr als 20 Artikel erschienen bereits in Zeitungen oder Blogs und die Debatte läuft immer noch weiter. Durch seine Aussagen wie “personenbezogene Daten sind kein Privateigentum” oder “wir brauchen keinen Internet-Minister” verursachte Bundesinnenminister Thomas de Maizière verschiedenste Reaktionen.

Auch in den sozialen Medien wird unter dem Hashtag #DataDebates weiter über unsere Veranstaltung diskutiert. Bei Twitter ging erst kürzlich die Abstimmung über die wichtigsten Fragen des Abends zu Ende, sodass wir heute die Ergebnisse präsentieren können. Sie bieten einige Überraschungen, denn es zeigt sich, dass die Nutzer des Microblogging-Services manche Themen anders bewerten als unser Publikum im Telefónica BASECAMP. Besonders die Aussage des Ministers, dass wir keine neuen digitalen Grundrechte brauchen, ist umstritten.

Data Debates 1 Dr. Thomas de Maizière

Abstimmen per Tablet, Foto: Henrik Andree

Am 16. Februar entschieden die Anwesenden mit dem Tagesspiegel Voting Pad. Dabei hatten sie immer nur 30 Sekunden für die Auswahl ihrer Antworten. Doch bei Twitter blieb die Abstimmung viel länger offen als auf dem Tablet: Bis zum Wochenende gingen immer wieder Stimmen für das Voting ein. Das könnte die Ergebnisse beeinflusst haben, denn es blieb mehr Zeit zum Nachdenken. Oder lag es doch an anderen Gründen?

#DataDebates: Offene Abstimmung für jedermann

Mehr Zeit gab es auch für unsere erste Umfrage: Schon eine Woche vor dem Start der #DataDebates wollten wir über unseren Twitter-Account @BASE_CAMPberlin wissen, wie sich die Digitalisierung auf die Freiheit des Einzelnen auswirkt. Und die Antworten waren ziemlich optimistisch. Eine Mehrheit von 55 Prozent stimmte dafür, dass die Digitalisierung mehr Freiheit ermöglicht. Aus diesem Ergebnis konnte der Moderator einen guten Einstieg für den Abend gestalten. Ganze 881 Stimmen waren eingegangen, sagte der Tagesspiegel-Chefredakteur Stephan-Andreas Casdorff auf der Bühne im Telefónica BASECAMP.

Twitter-Poll

Doch ab dann wurden die Unterschiede deutlich. Als der Bundesinnenminister wissen wollte, was das Publikum unter Schutz der Privatsphäre versteht, stimmte die Mehrheit im Telefónica BASECAMP mit 37 Prozent für Datentransparenz: dass man immer Bescheid wissen kann, was mit den eigenen Daten geschieht. Aber bei Twitter landete diese Antwortmöglichkeit weit abgeschlagen mit 12 Prozent auf dem letzten Platz, während die Mehrheit sich mit 48 Prozent für Selbstbestimmung entschied.

Doppel-Voting: Online-Ergebnis sieht anders aus

Und noch größer waren die Differenzen bei der nächsten Frage. Als wir fragten, ob die digitale Gesellschaft neue digitale Grundrechte braucht, kam das Internet-Votum auf das Gegenteil des Ergebnisses von der Abstimmung im Telefónica BASECAMP: Ganze 60 Prozent stimmten bei Twitter für Ja, während das Live-Publikum sich mehrheitlich mit 53 Prozent für Nein entschieden hatte. Dieser große Unterschied dürfte vor allem daran liegen, dass Thomas de Maizière im Telefónica BASECAMP sehr überzeugend begründete, dass sich das Grundgesetz auch digital anwenden lässt.

Data Debates 1 Dr. Thomas de Maizière

Foto: Henrik Andree

Diese Argumentation des promovierten Juristen ließ sich auf Twitter nur schwer verfolgen. Und so war es später auch kein Wunder, dass die Meinungen bei der letzten Abstimmung vollends auseinandergingen. Auf die Frage Seid ihr bereit, für mehr Vorzüge im Alltag mehr persönliche Daten zur Verfügung zu stellen?” stimmten 63 Prozent im Telefónica BASECAMP mit Ja oder Eher Ja, während bei Twitter eine Mehrheit von 76 Prozent für Nein oder Eher Nein stimmte.

Klicktivismus?: Tweeple vs. Publikum

Auch in diesem Voting zeigte sich die Überzeugungskraft des Ministers, die offensichtlich vor allem bei einem persönlichen Kontakt wirkt. Er erklärte sehr gut, wie leicht es ist, bei solchen großen Fragen auf Nein zu klicken. Doch diese Entscheidung ist schnell vergessen, wenn das Sozialnetzwerk sonst nutzlos wird oder die Navigation im Smartphone nur mit persönlichen Daten funktioniert. Klicktivismus nennt man das: ein gutes Gewissen per Mausklick, aber die Handlungen sehen oft anders aus.

In einem Punkt besteht allerdings Einigkeit. Die Tagesspiegel Data Debates mit Telefónica als Initiator und Partner haben sich bestens bewährt: als neutrale Meinungsplattform für die aktuelle Diskussion über Datenschutz und Datenschatz. Das gilt online und offline. Die zweite Ausgabe der neuen Veranstaltungsreihe erwartet uns schon am 30. März und dann geht es um den Wertewandel in der digitalen Gesellschaft. Wir sind schon sehr gespannt, was die Tweeple (so nennen sich die People bei Twitter), dabei vielleicht wieder anders sehen. Unser Hashtag ist erneut: #DataDebates.

Mehr Informationen:

#DataDebates: Abstimmung bei Twitter. Hier kann man alle Ergebnisse nachlesen.

  1. Für unser erstes #DataDebates Event wollen wir von euch wissen:
    Wie wirkt sich die Digitalisierung auf die Freiheit des Einzelnen aus?
  2. Was versteht ihr unter “Schutz der Privatsphäre”?
    Ergebnis live vor Ort #datadebates: A 32%, B 37%, C 31% Was sagt ihr dazu?
  3. Braucht eine digitale Gesellschaft neue digitale Grundrechte?
    Live von den #datadebates Ja 47%, Nein 53% Was sagt ihr?
  4. #Digitalisierung führt zu mehr Transparenz.
    Welche Auswirkungen hat das auf die Demokratie? #datadebates: Antw. A 74%, B 26% eure Meinung?
  5. Seid ihr bereit, für mehr Vorzüge im Alltag mehr pers. Daten zur Verfügung zu stellen?
    #datadebates Ergebnis: A20%, B43%, C23%, D14%. Und ihr?

Über den Autor

Unser Pressesprecher für Innovationen, B2B, Startups und Social Media absolvierte die Deutsche Journalistenschule und arbeitete viele Jahre für FTD, DIE ZEIT, Wirtschaftswoche und andere Medien. Daneben schrieb Markus Oliver Göbel für bekannte Blogs wie TechCrunch oder The European.