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#DataDebates: Industrie 4.0 braucht neue Strukturen und Kooperationen

06

Feb
2018

Veröffentlicht am 06.02.2018
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Foto: Henrik Andree

Die Tagesspiegel Data Debates sind gut ins neue Jahr gestartet. Bei der achten Ausgabe am Mittwoch entspannen sich schnell Diskussionen, was vor allem an der Frage des Abends lag: Industrie 4.0 – Wie meistert die deutsche Wirtschaft die digitale Transformation? “Wir haben ein besonders breites Thema, weil es wirklich wichtig ist”, sagte Tagesspiegel-Chefredakteur Stephan-Andreas Casdorff schon zum Beginn seiner Moderation. “Es geht um Arbeit, Wohlstand und die Zukunft von Deutschland.” Damit kam eine interessante Debatte in Gang.

Wir sind die Ausrüster der Welt”, sagte Marion Weissenberger-Eibl, Universitätsprofessorin und Leiterin des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI), über die deutsche Industrie. Sie diskutierte im Telefónica BASECAMP mit Nicolaus Gollwitzer, CEO von Telefónica NEXT, und Stefan Stroh, der seit einigen Monaten als Chief Digital Officer (CDO) bei der Deutschen Bahn ist. Selbst vor der Konkurrenz aus Südkorea und China müsse man sich nicht verstecken, sagte Weissenberger-Eibl. Dennoch liege die Bundesrepublik im Digitalisierungsindex, den das Fraunhofer ISI mit dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung erstellt, nur im Mittelfeld.

Data Debate #8 | Foto: Henrik Andree

Data Debate #8 | Foto: Henrik Andree

Bei den untersuchten Industrienationen kommt Deutschland auf Platz 17 von 35, während Finnland, Schweden und Israel die Spitzenreiter sind. “Insbesondere beim Ausbau der zukunftssicheren Glasfaserinfrastruktur bleibt Deutschland im internationalen Vergleich deutlich zurück”, heißt es in dem Bericht. “Dadurch ergeben sich Wettbewerbsnachteile für die deutsche Wirtschaft.” Die Debatte im Telefónica BASECAMP konzentrierte sich deshalb vor allem darauf, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, um Deutschland in der Industrie 4.0 voranzubringen, und wer für den Breitbandausbau verantwortlich ist.

Deutsche Bahn: Neuerfindung der Schiene

Für Stefan Stroh werden solche Diskussionen jedoch zu negativ geführt. Die Deutsche Bahn befinde sich zwar “auf einem der wettbewerbsintensivsten Märkte”, weil nun selbst Tech-Unternehmen und Kfz-Hersteller mit ihren autonomen Autos einen Frontalangriff auf das Kerngeschäft starten würden. Den aktuellen Wandel sieht der CDO aber als “Chance” an.

Stephan-Andreas Casdorff, Nicolaus Gollwitzer, Marion Weissenberger-Eibl und Stefan Stroh | Foto: Henrik Andree

Stephan-Andreas Casdorff, Nicolaus Gollwitzer, Marion Weissenberger-Eibl und Stefan Stroh | Foto: Henrik Andree

Es gehe um nicht weniger als die “Neuerfindung des Produktionssystems Schiene durch Digitalisierung und den Austausch von Technik, die oft noch aus der Kaiserzeit stammt. Die Bahn kooperiert dafür mit Startups, für die sie einen Risikokapitalfonds mit 100 Millionen Euro aufgelegt hat, und lässt auch selbst autonome Lkw in Deutschland fahren. Eine Kooperation ihrer Logistik-Tochter Schenker mit dem Nutzfahrzeug-Hersteller MAN macht es möglich.

Industrie 4.0: Keine Frage der Technik

Doch für Stroh steht nicht die Technik bei der digitalen Transformation im Vordergrund, sondern die Arbeitnehmer und Strukturen von Unternehmen. “Wir müssen die Mitarbeiter mitnehmen, sagte er über die mehr als 300.000 Angestellten seiner Firma. “Dabei sind nicht nur ihre technischen Fähigkeiten wichtig, sondern auch die Emotionen, denn Digitalisierung hat viel mit Leidenschaft zu tun.” Für eine erfolgreiche Industrie 4.0 müssten Strukturen aufgebrochen und neue Formen der Zusammenarbeit gefunden werden. Die größte Herausforderung sei jetzt, den richtigen “Spirit” in die Organisation zu bringen.

Die Revolution findet nicht in der Produktion statt, sondern in den Geschäftsmodellen”, sagte deshalb auch Nicolaus Gollwitzer. Industrie 4.0 beginne mit den Menschen sowie ihrem “kollaborativen Mindset, also dem Willen, Daten zu teilen und anzureichern.” Daten seien nur nützlich, wenn sie geteilt würden. So wie beispielsweise Nahverkehrsanbieter die anonymisierten Mobilfunkdaten von Telefónica NEXT verwenden, um daraus Statistiken zu erstellen, die zur Verbesserung ihrer Fahrpläne dienen. Ein gutes Beispiel seien auch die Mobilfunk-Unternehmen: Sie kooperieren schon seit Jahren weltweit, sogar mit Konkurrenten, damit ihre Kunden überall telefonieren können.

Data Debate #8 | Foto: Henrik Andree

Data Debate #8 | Foto: Henrik Andree

Den aktuellen Stand beim Breitbandausbau sieht der CEO von Telefónica NEXT vor allem dadurch begründet, dass Politik und Wirtschaft sich besser koordinieren müssten. Ein Netzausbau mit privaten Investitionen sei immer noch die beste Lösung, weil Telekommunikationsunternehmen jahrzehntelange Erfahrung damit haben. Die Politik solle passende Rahmenbedingungen dafür schaffen. Wie sie aussehen könnten, hatte erst kürzlich der CEO von Telefónica Deutschland, Markus Haas, in einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung erklärt.

Über den Autor

Unser Pressesprecher für Innovationen, B2B, Startups und Social Media absolvierte die Deutsche Journalistenschule und arbeitete viele Jahre für FTD, DIE ZEIT, Wirtschaftswoche und andere Medien. Daneben schrieb Markus Oliver Göbel für bekannte Blogs wie TechCrunch oder The European.