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28. Mobilisten-Talk: Das Bezahlen wird unsichtbar werden

10

Sep
2018

Veröffentlicht am 10.09.2018
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Silent Payment ist nicht nur ein neues Buzzword, sondern könnte auch die Zukunft des Bezahlens werden: Gemeint damit ist, dass “der sichtbare Zahlungsverkehr verschwindet”, so Ralf Gladis, Gründer und Geschäftsführer des Bezahldienstleisters Computop, in seiner Keynote bei unserem 28. Mobilisten-Talk „Mobile Banking & Payment“ im Telefónica BASECAMP in Berlin. Das Bezahlen werde in Zukunft weitgehend automatisiert im Hintergrund ablaufen – etwa in dem das Auto das Parkticket oder die Tankrechnung automatisch im Hintergrund bezahlt. Den größten Mehrwert beim Bezahlen im stationären Handel sieht Gladis u.a. im Wegfall der lästigen Supermarktkasse, Stichwort “Scan, Pay & Go”. Damit lieferte Gladis eine Steilvorlage für die anschließende Podiumsdiskussion, die Sie hier als Video anschauen können oder darunter die Zusammenfassung lesen können.

Einheitlich mobile Bezahlstandards sind Wunschdenken

Bei der anschließenden Diskussionsrunde diskutierte Ralf Gladis gemeinsam mit Bundesbankdirektorin Heike Winter, DSGV-Paymentexperte Christian Schollmeyer, Fidor-Bank-CEO Matthias Kröner und Marc Mumm von O2 Banking kontrovers über die Abschaffung des Bargelds, Instant Payment und die Schläfrigkeit deutscher Banken bei der Umsetzung von Innovationen. Dabei wurde vor allem Christian Schollmeyer vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband ins Kreuzverhör genommen, weshalb die Sparkassen erst vor sechs Wochen Mobile Payment gelauncht haben und nicht viel früher.

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“Es war richtig und wichtig zu warten, bis eine reichweitenstarke Verfügbarkeit mit jetzt 600.000 NFC-Terminals gewährleistet werden konnte”, so Schollmeyer, der für wohlwollende Verwunderung im Publikum sorgte, als er quasi ein Sparkassen-Serviceversprechen machte, in dem er sagte: “Der Kunde verlangt neue Lösungen und er bekommt sie auch.” Schollmeyer musste aber auch eingestehen, dass die Sparkassen bei der Einführung von Mobile Payment eher Last statt First Mover waren. Den Wettbewerb mit Apple Pay und Google Pay sieht Schollmeyer pragmatisch: “Alle Lösungen funktionieren am Terminal. Wenn die Kunden unsere Lösung nicht nutzen, dann ist sie nicht gut genug.”

FinTechs beschleunigen Innovationstempo

Bundesbankdirektorin Heike Winter betonte, dass die Innovationszyklen im Zahlungsverkehr mittlerweile kürzer werden: “FinTechs beschleunigen die Innovationsfreude und Schnelligkeit bei der Einführung von neuen Diensten bei Banken.” An einen oft geforderten einheitlichen mobilen Bezahlstandard wollte dagegen niemand so recht glauben. ”Wenn wir darauf warten, bis sich Banken auf eine einheitliche Bezahllösung einigen, dann ist Mobile Payment schon wieder vom Tisch”, sagte Matthias Kröner von der Fidor Bank, die gemeinsam mit Mastercard ebenfalls vor einigen Wochen eine Mobile-Payment-Lösung auf dem Markt gebracht hat. Für den Durchbruch des mobilen Bezahlens in Deutschland sei es wichtig, dass mit Apple, Google und den Sparkassen drei Dickschiffe den Markt mit Werbemillionen aufrollen und damit die Bekanntheit und Akzeptanz für Mobile Payment erhöhen würden.

Bargeld als Sicherheitskopie des Zahlungsverkehrs

Vom Bargeld will sich Kröner aber nicht trennen, denn Bargeld sei in Zeiten von Cybercrime, nicht immer stabiler Mobilfunknetze und schwacher Wlan-Infrastruktur so etwas wie eine Art Sicherheitskopie des Bezahlens. Kröner kritisierte die Gratismentalität der Bankkunden, die sich über Kontogebühren beschwerten aber gleichzeitig immer neue Innovationen und allerhöchste Sicherheit erwarteten.

“Gute Bankingdienste dürfen auch ruhig etwas kosten”, forderte Matthias Kröner. In Hinblick auf zusätzliche Gebühren für Instant Payments, also Sofortüberweisungen, meinte Moderator und mobilbranche.de-Gründer Florian Treiß, es sei eigentlich ein Unding, dass Standard-Überweisungen im Internet-Zeitalter noch immer teils zwei Tage unterwegs sein und Banken nun einen Aufschlag für eine Sofortüberweisung verlangen.

Mobiles Bezahlen in zehn Jahren Mainstraem?

Bereits von der Podiumsdiskussion hatte Marc Mumm von Telefónica Deutschland eine brandneue Umfrage vorgestellt, wonach Mobile Banking und Online Banking mittlerweile fast auf gleichem Niveau sind, was die Nutzung angeht und ein wichtiges Entscheidungskriterium für Kunden bei der Wahl einer Bank sind. Bonuspunkte, bessere Benutzerfreundlichkeit sowie Aus- und Einzahlung an der Supermarktkasse sind der Umfrage zufolge die wichtigsten Wünsche der Kunden beim Mobile Banking.

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Doch die Studie zeigt auch, dass das Interesse und vor allem die Nutzung beim kontaktlosen Bezahlen im Handel noch ausbaufähig ist. Spannend: Immerhin 42 Prozent der Befragten glauben, dass Mobile Payment in zehn Jahren noch vor Bargeld, Girokarte und Kreditkarte die wichtigste Bezahlmethode sein wird.

Telcos als Konkurrenz zu traditionellen Banken

In Afrika werden Rechnungen seit Jahren völlig selbstverständlich per Handy bezahlt oder sogar Gehälter empfangen. Der französische Mobilfunkanbieter Orange ist daran nicht ganz unbeteiligt. Eric Saury von Orange Mobile Financial Services erklärte in einem Impulsvortrag, wie eine Telco zur Bank wird. Demnach hätten die Mobilfunkanbieter die besten Voraussetzungen dafür, mobile Zahlungen der Kunden abzuwickeln und darüber hinaus auch etliche zusätzliche Bankingprodukte anzubieten. Orange etwa hat mittlerweile eine Banklizenz und bietet Girokonten an, vergibt Kredite mit Blitzauszahlung und assistiert den Kunden mit einem eigenen KI-Assistenten namens Djingo.

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Über den Autor

Marina ist für den Aufbau von Kooperationen im Wissenschaftsbereich, sowie die Themen Data Science, Arbeit 4.0, IoT und für Use-Cases für das Telefónica BASECAMP mitverantwortlich. Zuletzt hat Marina beim Fraunhofer-Institut FOKUS strategische Kommunikation auf dem Gebiet der digitalen Transformation, der digitalen Gesellschaft, Smart Cities und Industrie 4.0 vorangetrieben und das Fraunhofer Innovationscluster „Next Generation ID“ geleitet.